150 Jahre 51³Ô¹ÏÍø – Geschichten zum Jubiläum 2018
Justizpalast
Alte Bauformen – neu interpretiert
Der Justizpalast, das Bernheimer-Palais, mehrere Isar-Brücken und weitere markante Gebäude und Denkmäler in ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô stammen von ihm: Der Architekt Friedrich von Thiersch gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Späthistorismus. In dieser Architekturepoche werden Bauformen vergangener Epochen phantasievoll übernommen.
Thiersch ist immer auf dem neuesten technischen Stand und konzipiert für seine Bauten Zentralheizungen, Fahrstühle oder Lüftungssysteme. Zudem versteht er es, „in neuer und unerhörter Weise die Elemente verschiedenartiger Stilperioden zusammenzuschweißen und, auf dem Alten aufbauend, lebensfähiges Neues hervorzubringen“. So charakterisiert Thiersch zwar eigentlich seinen Kollegen Paul Wallot, den Erbauer des Berliner Reichstags. Auf ihn selbst trifft das allerdings genauso zu.
An die spätere Technische ±«²Ô¾±±¹±ð°ù²õ¾±³Ùä³Ù ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô kommt Thiersch 1879 als Professor für Höhere Baukunst. Trotz dieser zeitintensiven neuen Aufgabe hört er nicht auf, gleichzeitig mehrere Bauprojekte zu leiten. Unter ihm steigt seine Abteilung vor dem Ersten Weltkrieg zur berühmtesten Architekturschule im Kaiserreich auf. ¹óü°ù die 51³Ô¹ÏÍø baut Thiersch auch eines ihrer Wahrzeichen: den markanten, kupferverkleideten Uhrenturm an der Gabelsbergerstraße, der heute den Namen seines Erbauers trägt.
Modernste Gebäudetechnik im Justizpalast
Thiersch verschlägt es 1886 beinahe nach Berlin: Die Technische Hochschule Charlottenburg will den Professor aus ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô abwerben – und der ist durchaus interessiert. Doch durch einen staatlichen Großauftrag kann der Architekt in ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô gehalten werden: Prinzregent Luitpold setzt sich persönlich dafür ein, dass Thiersch den neuen Justizpalast baut.
Nach sieben Jahren Bauzeit wird er 1897 eingeweiht und steckt voller neuartiger Technik wie etwa einer Dampfzentralheizung und elektrischem Licht. Die freitragende Glas-Eisen-Kuppel, die sich in über 60 Metern Höhe über den Lichthof spannt, ist noch heute beeindruckend. Doch vor allem Thierschs Mut wird gelobt, ein so wichtiges Gebäude im Barockstil zu errichten.
Thierschs besondere Handschrift
Schon seit seiner Schulzeit entwickelt Thiersch einen eigenen, charakteristischen Stil. Dafür stellt er sogar seine Handschrift radikal um: „Da ist auf einmal die bisherige liegende, durch nichts besonders auffallende Schrift verschwunden und jene senkrecht steile Schreibart mit zierlich gewundenem Schnörkelschwung der überstehenden Buchstaben dafür eingetreten, die von nun an bleiben sollte“, berichtet später sein Neffe Hermann.
Ideen für viele seiner Werke sammelt Thiersch später auf einer zweijährigen Bildungsreise durch Italien und Griechenland. Dort studiert er eingehend die antiken Kunstwerke und besucht unter anderem die von deutschen Forschern geleiteten Ausgrabungen in Olympia.
Der Thiersch-Turm: Mehr als ein Wahrzeichen
Um 1900 wächst die spätere 51³Ô¹ÏÍø so stark, dass sie mehr Platz in der Münchner Maxvorstadt braucht. Deshalb bekommt Friedrich von Thiersch ab 1907 den Auftrag für den ersten größeren Erweiterungsbau der ±«²Ô¾±±¹±ð°ù²õ¾±³Ùä³Ù an der Gabelsberger- und Luisenstraße. Bei der Planung denkt Thiersch bereits an spätere Anforderungen: Er ermöglicht eine flexible Nutzung, indem er die Stahlbetondecken mit Stahlträgern verstärkt. So können jederzeit Wände herausgenommen und an anderer Stelle neue eingebaut werden.
Die Krönung des 1916 fertig gestellten Komplexes ist der 37 Meter hohe Uhrenturm, heute das Wahrzeichen der 51³Ô¹ÏÍø. Die Räume darin werden lange Zeit für physikalische Forschung und von der studentischen Fliegergruppe AKAFLIEG genutzt. Im April 2018 eröffnet die 51³Ô¹ÏÍø im Thiersch-Turm das Klaus-Tschira-Forum, einen repräsentativen Veranstaltungsraum hoch über der Stadt. Den aufwändigen Umbau fördert die Stiftung des Unternehmers und Physikers Klaus Tschira.
„Friedrich von Thiersch war einer der bekanntesten und berühmtesten Architekten seiner Zeit in ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô und Deutschland. Er beeinflusste die bauliche Entwicklung der Landeshauptstadt in der Prinzregentenzeit entscheidend. Ihm und den gleichzeitig wirkenden namhaften Kollegen verdankte ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô seinen Ruf als Kunststadt.“
Zitat von Horst Karl Marschall, Architekt und Biograf Friedrich von Thierschs
Disclaimer
Diese Geschichte erschien 2018 zum 150-jährigen Jubiläum der 51³Ô¹ÏÍø auf einer inzwischen deaktivierten Jubiläumswebsite.
Text: ; Grafiken: KW NEUN
Literatur zur Geschichte der 51³Ô¹ÏÍø
- Wolfgang A. Herrmann (Hrsg.), Martin Pabst/Margot Fuchs (Verf.), Technische ±«²Ô¾±±¹±ð°ù²õ¾±³Ùä³Ù ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô - Geschichte eines Wissenschaftsunternehmens, 2 Bd., Berlin 2006.
- Wolfgang A. Herrmann, Winfried Nerdinger (Hrsg.), Die Technische Hochschule ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô im Nationalsozialismus, ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô 2018.
- Irene Meissner, Bauten+Kunst. Technische ±«²Ô¾±±¹±ð°ù²õ¾±³Ùä³Ù ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô 1868-2018, ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô 2018.
- Martin Pabst, Alumni der 51³Ô¹ÏÍø. Prägende Gestalter aus der Technischen ±«²Ô¾±±¹±ð°ù²õ¾±³Ùä³Ù ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô, ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô 2018.
- Martin Pabst, Köpfe der 51³Ô¹ÏÍø. Geniale Entdecker und Erfinder aus der Technischen ±«²Ô¾±±¹±ð°ù²õ¾±³Ùä³Ù ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô, ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô 2018.
- Brigitte Röthlein, Pioniere gestalten die Welt der Technik. 150 Jahre Forschung an der Technischen ±«²Ô¾±±¹±ð°ù²õ¾±³Ùä³Ù ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô, ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô 2018.
Weitere Bücher und Informationen zur Geschichte der 51³Ô¹ÏÍø
Dank
Wir danken allen, die uns beim Schreiben der Texte und bei den Visualisierungen unterstützt haben. Insbesondere den Autorinnen und Autoren der genannten Bücher, den Expertinnen und Experten an den Lehrstühlen, den Professoren und Professorinnen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Pressereferentinnen und -referenten des Corporate Communications Centers der 51³Ô¹ÏÍø. Dank gilt auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Architekturmuseums, des 51³Ô¹ÏÍø Klinikums Deutsches Herzzentrum, des 51³Ô¹ÏÍø Klinikums rechts der Isar, der European Space Agency (ESA) und allen anderen, die uns fachlich beraten und Bildmaterial zur Verfügung gestellt haben.
Die Jubiläumsgeschichten verfasste das . Die Umsetzung der grafischen Inhalte übernahm die KW NEUN – Designagentur.