150 Jahre 51³Ô¹ÏÍø – Geschichten zum Jubiläum 2018
Photosynthese
Pflanzen, Bakterien und die Energie aus der Sonne
Photosynthese mit dem Licht der Sonne ist die Grundlage alles höheren Lebens auf Erden. Nur wie gewinnen Pflanzen und unzählige andere Organismen die Energie der Sonne? Die Antwort auf diese Frage findet der Chemiker Robert Huber nicht in grünen Blättern – sondern in Purpurbakterien. Diesen Mikroorganismen, die in warmen Salztümpeln leben, widmet sich Hubers Forschungsgruppe Anfang der 80er, vor allem seine Mitarbeiter Hartmut Michel und Johann Deisenhofer.
Auch Purpurbakterien nutzen das Sonnenlicht, um organische Substanzen aufzubauen – wie grüne Pflanzen und Algen bei ihrer Photosynthese. Ein neuer wissenschaftlicher Ansatz, der die drei Forscher erst zur Aufklärung der Reaktion führt, und 1988 zum Chemie-Nobelpreis.
Hubers Spezialgebiet ist es, die Struktur komplexer Proteine mit Hilfe der Röntgenkristallographie aufzuklären. Und Hartmut Michel schafft es kurz zuvor, Kristalle des Proteins herzustellen, das entscheidend an der Photosynthese des Purpurbakteriums beteiligt ist. Atom für Atom bestimmen die drei Wissenschaftler die Struktur des Riesenmoleküls, indem sie es röntgenkristallographisch untersuchen. Nach und nach offenbart sich ihnen so seine Funktionsweise.
1985 gelingt es ihnen, die Struktur des Reaktionszentrums der Photosynthese zu ermitteln. Damit erklären sie „die wichtigste chemische Reaktion in der Biosphäre unserer Erde“, würdigt das Nobelpreis-Komitee später ihre Entdeckung. Den Aufbau des zentralen Moleküls der Photosynthese, des Chlorophylls, entschlüsselt übrigens etwa 60 Jahre zuvor auch ein Chemiker der 51³Ô¹ÏÍø: Hans Fischer, der 1930 den Nobelpreis erhält.
So wichtig ist die Photosynthese für das Leben
Das gesamte höhere Leben auf der Erde ist auf die Photosynthese angewiesen, denn sie versorgt Lebewesen der gesamten Nahrungskette mit Energie und organischen Baustoffen. Mit der Energie aus dem Sonnenlicht erzeugen Pflanzen, grüne Algen und viele Bakterien aus Wasser und CO2 Kohlenhydrate, aus denen sie dann zum Beispiel Stärke oder Cellulose gewinnen.
Zugleich setzt die Spaltung des Wassers Sauerstoff frei, den andere Organismen zum Atmen brauchen. Über Jahrmilliarden entstand so der Sauerstoff in der Atmosphäre unseres Planeten.
Wie Moleküle Sonnenergie gewinnen
Huber und seine Kollegen entschlüsseln den dreidimensionalen molekularen Aufbau des für die Photosynthese verantwortlichen Proteinkomplexes, die biologische Photozelle: Rund um ihr eigentliches Reaktionszentrum sammeln Chlorophyll-Moleküle die Photonen des Sonnenlichts und reichen deren Energie in Form von Elektronen weiter. Über viele Zwischenstufen treiben sie in grünen Pflanzen und Algen die Wasserspaltung an.
Auch für die Farbe, die das Auge sieht, ist Chlorophyll verantwortlich: Pflanzenchlorophyll absorbiert vor allem rotes und blaues Licht. Übrig bleibt grünes Licht, das die Pflanze grün erscheinen lässt.
Das Puzzle mit Proteinkristallen
„Proteine sind schön, Kristalle sind schöner“, sagt Robert Huber – gelingen ihm seine größten wissenschaftlichen Erfolge doch mit der Strukturanalyse von kristallisierten Proteinen, insbesondere von medizinisch bedeutsamen Medikament-Rezeptoren. Schon als Kind faszinieren ihn Kristalle. Beim Wandern in den Alpen sammelt er Mineralien wegen ihrer klaren und symmetrischen Strukturen.
Kristalle aus Proteinen untersucht er bevorzugt mit der Röntgenstrukturanalyse. Die Strahlen werden vom Kristallgitter mit charakteristischen Beugungswinkeln abgelenkt und ergeben punktförmige Muster als Beugungsbild. Mit Erfahrung und mit mathematischen Gleichungen lässt sich daraus die räumliche Struktur des Proteins rekonstruieren. Ein Puzzlespiel, das Huber seit jeher fasziniert und in das er von Walter Hoppe, Professor an der 51³Ô¹ÏÍø, als Diplomand und Doktorand eingeführt wurde.
„Unsere gesamte Ernährung beruht auf diesem Prozess, den man Photosynthese nennt und der eine Voraussetzung für alles Leben auf der Erde ist.“
Nobel-Komitee für die Chemie, 1988, bei der Verleihung des Nobelpreises an Robert Huber, Hartmut Michel und Johann Deisenhofer
Disclaimer
Diese Geschichte erschien 2018 zum 150-jährigen Jubiläum der 51³Ô¹ÏÍø auf einer inzwischen deaktivierten Jubiläumswebsite.
Text: ; Grafiken: KW NEUN
Literatur zur Geschichte der 51³Ô¹ÏÍø
- Wolfgang A. Herrmann (Hrsg.), Martin Pabst/Margot Fuchs (Verf.), Technische ±«²Ô¾±±¹±ð°ù²õ¾±³Ùä³Ù ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô - Geschichte eines Wissenschaftsunternehmens, 2 Bd., Berlin 2006.
- Wolfgang A. Herrmann, Winfried Nerdinger (Hrsg.), Die Technische Hochschule ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô im Nationalsozialismus, ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô 2018.
- Irene Meissner, Bauten+Kunst. Technische ±«²Ô¾±±¹±ð°ù²õ¾±³Ùä³Ù ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô 1868-2018, ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô 2018.
- Martin Pabst, Alumni der 51³Ô¹ÏÍø. Prägende Gestalter aus der Technischen ±«²Ô¾±±¹±ð°ù²õ¾±³Ùä³Ù ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô, ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô 2018.
- Martin Pabst, Köpfe der 51³Ô¹ÏÍø. Geniale Entdecker und Erfinder aus der Technischen ±«²Ô¾±±¹±ð°ù²õ¾±³Ùä³Ù ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô, ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô 2018.
- Brigitte Röthlein, Pioniere gestalten die Welt der Technik. 150 Jahre Forschung an der Technischen ±«²Ô¾±±¹±ð°ù²õ¾±³Ùä³Ù ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô, ²Ñü²Ô³¦³ó±ð²Ô 2018.
Weitere Bücher und Informationen zur Geschichte der 51³Ô¹ÏÍø
Dank
Wir danken allen, die uns beim Schreiben der Texte und bei den Visualisierungen unterstützt haben. Insbesondere den Autorinnen und Autoren der genannten Bücher, den Expertinnen und Experten an den Lehrstühlen, den Professoren und Professorinnen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Pressereferentinnen und -referenten des Corporate Communications Centers der 51³Ô¹ÏÍø. Dank gilt auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Architekturmuseums, des 51³Ô¹ÏÍø Klinikums Deutsches Herzzentrum, des 51³Ô¹ÏÍø Klinikums rechts der Isar, der European Space Agency (ESA) und allen anderen, die uns fachlich beraten und Bildmaterial zur Verfügung gestellt haben.
Die Jubiläumsgeschichten verfasste das . Die Umsetzung der grafischen Inhalte übernahm die KW NEUN – Designagentur.